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Drahtlose Technologie für eine bessere Welt

Im dänischen Djursland hat eine lokale Bürger-Initiative das größte unkommerzielle Breitbandnetz in Europa aufgebaut. Anfang September2004 trafen sich IT-Experten aus 32 Ländern in Djursland, um sich über die dänischen Erfahrungen mit Funknetzen zu informieren.

Von Karim Pedersen

Die drahtlose Netzwerktechnologie ist schon in vielen Unternehmen und privaten Haushalten fest etabliert. Aber die Technologie bietet auch andere Anwendungsmöglichkeiten als kabellose Netzwerke im Büro. In dünn besiedelten Gebieten, wo weder Glasfaser noch DSL eine realistische Möglichkeit darstellen, ist drahtlose Technologie oft der einzige Weg um den einzelnen Haushalt mit Breitband auszustatten.

Am ersten September Wochenende sind 200 IT-Experten aus 32 Ländern zur FRESH AIR – FREE NETWORKS, Freifunk Summer Convention 2004 in der kleinen Stadt Glesborg in Djursland, Dänemark zusammengekommen, um über die Zukunft von drahtlosen Netzwerken zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen. Ein Viertel der privaten Haushalte und Unternehmen im dünn besiedelten Djursland müssen auf ADSL verzichten, aber lokale Freiwillige haben in den letzten zwei Jahren ein drahtloses Breitband-Netzwerk etabliert. Das unkommerzielle Netz ist das größte in Europa mit mehr als 1.500 angeschlossenen Haushalten und Unternehmen. Das Netz besteht aus einer großen Anzahl querverbundener Funkantennen auf Masten, Schornsteinen und Kornspeichern.

Drahtlose Verbindung über 40 Kilometer

In Ländern wie Indien ist der Unterschied zwischen den Möglichkeiten in den Städten und ländlichen Gebieten viel größer als in Europa. Die viel besprochene digitale Kluft existiert nicht nur zwischen reichen und armen Ländern - sie existiert eben auch zwischen Stadt und Land. In Indien sind 80 Prozent aller Telefonleitungen in vier Grosstädten konzentriert, während gleichzeitig viele der 600.000 Dörfer nicht mal ein einziges Telefon haben.

Das indische Projekt Digital Gangetic Plains hat sich zum Ziel gesetzt, ferne indische Dörfer mit schnellem Internet-Zugang auszustatten. Das Projekt arbeitet mit drahtlosen Punkt-zu-Punkt Verbindungen über Distanzen bis zu 40 Kilometer. Etwa zwanzig Dörfer im Ganges-Flusstal sind im Rahmen des Projekts mit 802.11b-Antennen versorgt worden. Der Gründer des Projekts, Professor Bhaskar Raman vom IT-Institut in der Provinshauptstadt Kanpur, war nach Djursland gereist, um sich über dänischen Erfahrungen mit Funknetzen zu informieren. Er macht aber deutlich, dass das dänische und indische Projekt sich in grundlegenden Punkten unterscheiden.

»In Dänemark bekommt jeder Haushalt seine eigene Antenne, aber das ist völlig unmöglich in Indien. Unser Plan ist, dass jedes Dorf eine Antenne bekommt, die sich die Einwohner - typischerweise etwa 300 Familien - teilen können. Das größte Problem für uns ist die schlechte Stromversorgung. Oft gibt es nur vier Stunden am Tag Strom, und es kann passieren, dass es mehrere Tage gar kein Strom gibt«, erklärt Bhaskar Raman.

Mikrofone strahlen stärker als Netzkarten

Ein anderer wesentlicher Unterschied zwischen Europa und Indien ist, dass der 2,4 GHz Frequenz-Raum, der für 802.11b-Funkverbindungen benutzt wird, in Indien einer staatlichen Lizenz unterliegt. Bevor man eine Funkantenne installieren darf, muss man sich eine Genehmigung besorgen und Lizenzgebühren bezahlen. Funkverbindungen können ohne Lizenz nur in geschlossenen Räumen benutzt werden.

Der indische IT-Experte Arun Metha führt einen harten Kampf mit den Behörden des Landes, um das 2,4 Ghz-Frequenzband aus den Fängen der Bürokraten zu befreien. Er argumentiert, dass sogar ein drahtloses Mikrofon eine größere Sendestärke hat als eine 802.11b-Netzwerkkarte. Und jeder kann ein Mikrofon ohne Lizenz verwenden.

»Heute ist es in Indien nicht erlaubt, ein drahtloses Netzwerk ohne eine Lizenz der Behörden aufzubauen. Kein Zweifel, es ist ein großes Problem für uns, aber ich bin zuversichtlich, dass die Lizenzregeln nächstes Jahr gelockert werden«, sagt Arun Mehta.

Ein möglicher Weg, um die strengen Lizenzbestimmungen in Ländern wie Indien und Indonesien zu umgehen ist die Verwendung von optischen drahtlosen Verbindungen (»Optical Wireless«) statt Radioantennen. Dafür braucht man aber stabile Masten und häufige Wartung, weil der Laserstrahl viel konzentrierter ist als ein Funksignal.

»Es gibt keine Bestimmungen für die Verwendung von optischer drahtloser Technologie. Niemand wird protestieren, wenn du Licht zum Kommunizieren benutzt, und du braucht auch dein Produkt nicht an die jeweiligen Frequenzen anzupassen. Gleichzeitig ist die Verbindung besser geschützt. Es ist sehr schwierig, die Verbindung abzufangen und mitzuhören, ohne den Strahl zu stören«, erklärt Arun Mehta.

Kampf mit den Telefongesellschaften

Die drahtlose Technologie macht es möglich, eine Brücke zwischen einem lokalen Netzknotenpunkt und den einzelnen Haushalt zu bauen, doch für die Verbindung ins Internet braucht man immer noch eine Vereinbarung mit einem Internet-Provider. Der Bürgerverein in Djursland hat sich in das existierende Glasfaser-Netz zwischen Randers, Grenaa, Ebeltoft und Aarhus eingemietet. Aber die Zusammenarbeitet zwischen den lokalen Projekten und den Telekomfirmen - oftmals frühere oder noch bestehende Monopole - ist oft von Problemen gekennzeichnet.

Der Gründer von Colt Telecom, Malcolm Matson sagt: »Die Netzanbieter nehmen Geld für die Verteilung einer begrenzten Ressource, die Kapazität in ihrem Netzwerk. Aber die modernen Glasfasernetze haben eine unbegrenzte Kapazität. In der digitalen Welt ist die Datenübertragung umsonst, wenn du deine Hardware erst mal bezahlt hast, und dieses Prinzip gilt ungeachtet der Größe des Netzwerks.«

Er war an der Gründung des weltweit ersten Breitband-Netzes in der britischen Stadt Aberdeen beteiligt, aber seit dem hat er viele Bürgerinitiativen gesehen, die von den Telekom-Monopolisten abgewürgt wurden.

»Ich glaube, dass dieses Projekt in Djursland nur mit der stillschweigenden und zeitweiligen Zustimmung der Telekom-Firmen möglich ist. Früher oder später wird das Projekt zu einem Dorn im Auge der Telekoms werden, und dann werden sie Druck auf die Regierung oder die EU ausüben, um es zu schliessen«, sagt Malcolm Matson.

Internet auf dem Mount Everest

Wenn jemand ein drahtloses Netzwerk in einer unwegsamen Gegend errichten will, klingelt oft das Telefon (Voice-over-IP, natürlich) bei dem 76-Jährigen Funk-Pionier Dave Hughes. Die amerikanische Kultzeitschrift Wired hat ihm zum einen der 25 einflussreichsten IT-Persönlichkeiten neben Steve Ballmer und Steve Jobs gekürt. Trotz seines hohen Alters ist der selbsternannte »Cursor Cowboy« noch immer Vorreiter im Kampf gegen die Telekom-Monopolisten - und seine Waffe sind drahtlose Netze.

»Früher waren Radiofrequenzen eine begrenzte Ressource und wurden fast wie Immobilien gehandelt. Heute ist die Situation ganz anders, aber viele Leute begreifen es einfach nicht. Es können sich eine Milliarde Menschen an der Spitze von Manhatten gleichzeitig aufhalten, die alle über Spread Sprectrum-Technologie kommunizieren - und es wird trotzdem funktioneren«, meint Dave Hughes.

Alle modernen drahtlosen Netze basieren auf Spread Sprectrum-Technologie, die ursprünglich von der Schauspielerin Hedy Lamarr erfunden wurde. Mehr als 40 Jahre lang war die Technologie, die auf wechselnde Frequenzen baut, dem amerikanischen Militär vorbehalten. Dave Hughes hat jahrelang einen harten Kampf geführt, um die amerikanischen Politiker davon zu überzeugen, die Technologie für die zivile Nutzung freizugeben.

Seine letzte Herausforderung war die Einrichtung eines Cyber-Cafés im Mount Everest Base Camp. Das Lager liegt in einer Höhe von 6.000 Metern über der Meeresoberfläche. Die Aufgabe hätte mit einer Satellitenschüssel gelöst werden können - aber das Lager liegt auf einem Gletscher, der sich jeden Tag etwa einen Meter bewegt. Statt dessen hat Dave Hughes eine drahtlose Funkverbindung zu einem tiefer gelegenen nepalesischen Dorf errichtet.

Videoverbindung nach Indien

Nepal ist ein klassiches Beispiel dafür, dass selbst die entlegendsten Dörfer mit drahtlosen Netzverbindungen ans weltweite Internet angeschlossen werden können - auch wenn der Strom von einer Wassermühle kommt. Die Antennen-Anlagen in den schwer erreichbaren Berggebieten brauchen kaum Wartung, wenn sie erst einmal installiert worden sind. Der nepalesische IT-Pionier Mahabir Pun war nach Dänemark eingeladen, um über sein Dorf-Netzwerk zu berichten, aber Visum-Probleme haben seine Einreise verhindert. Einer Mitarbeiterin des Ministeriums für Bildung in Zanzibar wurde erst in letzter Minute ein Visum für die Einreise in Dänemark erteilt - und nur für zwölf Tage.

Während der Freifunk Summer Convention konnten die Teilnehmer sich auch über Projekte in Mali, Senegal und Indonesien informieren. Am Sonntag wurde eine direkte Videoverbindung zum IT-Institut in der indischen Provinzhauptstadt Guwahati errichtet. Nach der Convention am Wochenende blieben viele Teilnehmer noch für das Workcamp in Glesborg, wo Experten die Teilnehmer aus aller Welt darin unterrichteten, wie sie selbst Breitband-Projekte organisieren und billige Antennen mit Materialien aus jedem Baumarkt konstruieren können.
von Monic MeiselZuletzt verändert: 14.07.2005 20:04







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